Tourismus

Der moderne Tourismus steckt in Myanmar noch in den Kinderschuhen und eine touristische Infrastruktur für eine einfache und angenehme Reise wie in den Nachbarländern ist kaum vorhanden. Seit der Machtergreifung des Militärs 1962 hat sich Burma systematisch von der Welt abgeschottet und für viele Jahre fuhren nur wenige Individualtouristen in das Land der Pagoden. Erst ab den 80er Jahren verbesserte sich die Situation und einige ausländische Reiseagenturen konnten im Land Niederlassungen gründen um Reisen anzubieten. Dazu entstanden auch moderne neue Hotels in allen Preisklassen und die erste teilprivate Airline des Landes, Air Mandalay, begann Flüge zu touristischen Zielen wie Bagan und dem Inle-See anzubieten.

Reisen nach Myanmar waren jedoch auch immer eine politische Frage, denn das Militärregime profitierte am meisten vom Touristen-Dollar, während bei der Bevölkerung nicht viel davon ankam. Schlimmer noch: Viele Birmanen wurden zur Zwangsarbeit an infrastrukturellen Projekten verurteilt. Unter den birmanischen Menschenrechtlern war die Tourismus-Frage stets umstritten. Aung San Suu Kyi sprach sich wiederholt dafür aus, Myanmar als touristisches Ziel zu vermeiden, während andere glauben, dass die Begegnung mit westlichen Touristen der Bevölkerung immerhin das Gefühl gebe, nicht von der Welt vergessen worden zu sein. Außerdem bot der Tourismus zumindest einige wenige Arbeitsplätze und die Möglichkeit Kunsthandwerk u.ä. an Touristen zu verkaufen.

Heutiger Tourismus

Wer heute als Tourist nach Myanmar kommt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er in eines der ärmsten Länder der Welt reist, das in den letzten 50 Jahren kaum eine wirtschaftliche Weiterentwicklung erfahren hat. Zwar gibt sich die Metropole Yangon mittlerweile recht weltoffen und bietet Reisenden eine Vielzahl von Hotels, Restaurants, halbwegs stabiles Internet und Shopping-Möglichkeiten. Doch Yangon ist nicht mit Städten wie Bangkok, Singapur oder Saigon zu vergleichen. Ausländische Handys finden kein Netz und mit Kreditkarten kann bisher selten bezahlt werden. Auch der öffentliche Transport lässt noch stark zu wünschen übrig und an den meisten Orten sind Besucher auf Taxis angewiesen. Überlandreisen mit Fernbussen oder Zügen sind beschwerlich und dauern extrem lange: Sinnvoller sind eigentlich immer Inlandsflüge.

Initialzündung für Myanmar

Die Freilassung Aung San Suu Kyis und die generelle Öffnung von Burma zur Welt führte seit 2011 zu einem Tourismus-Boom, mit dem die völlig veraltete Infrastruktur des Landes noch gar nicht fertig werden kann. Und dies ist nur der Anfang: 2011 stieg die Zahl der Touristen in Burma auf 816.000, für 2012 wird erwartet, dass die Million geknackt wurde. Dies ist natürlich nichts im Vergleich zum Nachbarland Thailand, das jedes Jahr 19 Millionen ausländische Gäste empfängt, doch das Problem liegt in der Abwesenheit einer Infrastruktur. In Yangon beispielsweise gibt es zur Zeit nur etwa 300-400 Hotelzimmer für die Touristen. Die Regierung arbeitet derzeit an Plänen, um ausländischen Hotelketten den Einstieg in Burma zu erleichtern.

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Abschreckendes Beispiel einer möglichen Entwicklung

Dies würde zunächst einmal positive Effekte haben, doch viele Bewohner des Landes fürchten den Tourismusboom auch: Als negatives Beispiel dient gerne das Nachbarland Thailand, in dem der Massentourismus besonders krasse Ausmaße angenommen hat und zahllose meist junge Backpacker und europäische Pauschaltouristen anzieht, denen es nur um billigen Alkohol, Sex und Partys geht. Eine Erfahrung, mit der sich auch das beschauliche Laos derzeit herumquält. Viele Birmanen würden lieber einen limitierten, hochpreisigen Tourismus in ihrem Land sehen, der vor allem Kulturtouristen und Naturfreunde anlockt – so wie es das Himalaya-Reich Bhutan seit einigen Jahren vormacht.

Viele Touristen sehen dies ähnlich: Sie haben in Bangkok oder Singapur erlebt, wie wenig von der historischen Struktur der Städte erhalten geblieben ist, wo schöne alte Gebäude aus der Kolonialzeit und Shophouses durch moderne Apartmentgebäude und hochglanzpolierte Shopping Malls ersetzt wurden. Ein Schicksal das gerade auch chinesischen Metropolen wie Shanghai und Beijing widerfährt. Burma hat insbesondere in Yangon die Gelegenheit, diese Fehler nicht zu wiederholen.

Wer ein unverfälschtes Asien sehen will, in dem noch nicht von jeder Ecke McDonalds, Starbucks und Hello Kitty grüßen, sollte sich in jedem Fall beeilen, denn Myanmar wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern.

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