Tempel

Kaum ein Land der Welt ist so reich an Tempeln wie Myanmar, das deswegen auch zu Recht das „Land der 1000 Pagoden“ genannt wird. Dies ist teilweise der Umzugsfreudigkeit der burmesischen Herrscher zu verdanken, die immer wieder neue Hauptstädte gründeten, in deren Einzugsgebiet zahlreiche neue Tempel oder Klöster entstanden, aber auch dem Einfluss der vielen unterschiedliche Völker in der Region, die alle ihre eigenen Tempel bauten. Dazu kommt der buddhistische Glaube daran, in diesem Leben „Merit“ sammeln zu müssen, damit das nächste Leben noch besser wird.

Der englische Begriff „Merit“ lässt sich dabei schlecht übersetzen – man könnte von „Verdienst“ sprechen, aber auch von „Anerkennung“ (durch Buddha) und „Ansehen“. Eine Pagode oder einen Schrein zu stiften, gilt noch heute in Myanmar als der ideale Weg, sehr viel „Merit“ auf einmal zu gewinnen. Dies erklärt auch, warum so viele Pagoden in Burma verfallen sind: Das Renovieren von alten Gebäuden bringt keinerlei Merit – nur das Stiften einer Neuen zählt.

Tempel, Pagoden, Stupas, Chedis… was ist was?

Das Word Tempel ist in der burmesischen Sprache gar nicht bekannt und wird eigentlich nur in westlichen Reisebeschreibungen gebraucht. Dann ist mit dem „Tempel“ in der Regel die gesamte Anlage gemeint, in deren Mitte sich die „Pagode“ bzw. die „Stupa“ als größtes Heiligtum befindet. In Asien dagegen wird meistens die ganze Anlage als Pagode bezeichnet (auf Burmesisch auch „paya“ genannt). Auch der Begriff „Chedi“ meint im Grunde das gleiche heilige Gebäude, in dem die Reliquien des Buddhas untergebracht sind.

Am häufigsten wird in Burma das Wort „Stupa“ gebraucht, ein Sanskrit-Wort, das sich aus der heiligen Sprache Pali entwickelt hat, in der „thupa“ für aufrichten und erhöhen steht. Die ersten „Stupas“ waren die Grabhügel der Könige im alten Indien. Das Wort „Pagode“ hat seine Wurzeln dagegen in Sri Lanka, wo mit „dhatugarbha“ einst das Gefäß bezeichnet wurde, in dem Reliquien aufbewahrt werden. Das Wort „Chedi“ dagegen stammt wiederum aus der Pali-Sprache und bedeutet „Heiligtum“. Es wird heute vor allem im Nachbarland Thailand verwendet und hat von dort auch den Weg nach Burma gefunden.

Klassische Stupas sind nicht begehbar, da es sich um Grabstätten handelte, während Pagoden, wie sie vor allem in China und Japan bekannt sind, begehbar sind und häufig mehrere Stockwerke enthalten.

Neben den komplett von Menschen erbauten Gebäuden wurden in Burma auch häufig Höhlen benutzt um in ihnen buddhistische Schreine zu errichten.

Die Symbolik der Stupa

Jede Stupa wird in Myanmar nach strengen buddhistischen Konzepten errichtet, die eine vielfältige Symbolik beinhalten. Der Fuß der Stupa ist meistens einer Lotusblüte, einem Mandala oder dem buddhistischen Rad der Lehre (Dharmachakra) nachempfunden und quadratisch oder achteckig angelegt. Darauf werden mehrere runde Terrassen errichtet, auf denen wiederum der „Anda“ steht, die goldene Kuppel. Das Wort „Anda“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „kosmisches Ei“. An der Spitze wird der Anda von einem goldenen Schirm gekrönt, der „Hti“ genannt wird. Auch wenn die Stupas von Land zu Land leicht unterschiedlich aussehen, sind diese Grundzüge überall die gleichen.

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Die wichtigsten Tempel von Myanmar

An erster Stelle muss natürlich die prachtvolle Shwedagon Pagode von Yangon genannt werden, die zugleich auch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Myanmarzählt. Sie ist zwar heute das bedeutendste Heiligtum des Landes, doch sie ist im Ursprung eine Kopie der Shwezigon Pagode von Bagan.

Zwei weitere wichtige Heiligtümer von Myanamr befinden sich in Mandalay: Im Zentrum der Stadt befindet sich die Kuthodaw Pagode, die das „größte Buch der Welt“ beinhaltet: Dabei handelt es sich um 729 Steintafeln mit der buddhistischen Theravada-Lehre, von denen jede einzelne in einer eigenen schneeweißen Stupa untergebracht ist. Als zweitgrößtes Heiligtum Myanmars nach der Shwedagon Pagode gilt die Mahamuni Pagode südlich des Zentrums, in der der aus Rakhine erbeutete 4 Meter hohe Bronze-Buddha untergebracht ist.

Das drittwichtigste Heiligtum des Landes ist die Kyaiktho Pagode, die heute viel eher unter dem Namen „Goldener Felsen“ bekannt ist. Sie liegt im Süden von Myanmar und zieht jährlich tausende Pilger und Touristen an.

Kaum weniger beliebt als Pilgerziel ist Mount Popa, 50 km von Bagan entfernt. Hier steht jedoch weniger der Buddha im Mittelpunkt als die burmesischen „Nats“, die Geister des Landes, von denen vier im Inneren des Berges leben sollen.

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