Reisebericht: Shwedagon Pagode

Jedes einzelne Element der einzigartigen Anlage aufzuzählen, würde Bücher füllen. Wer den Komplex vom Süden her betritt, findet sich dem Tempel des Konagamana Buddhas gegenüber. An den anderen drei Seiten der zentralen Stupa befinden sich die Tempel der anderen drei Buddhas: Kassapa im Westen, Kakusandha im Osten und Gautama im Norden.

Der Südaufgang wird eingerahmt von zwei 9 Meter hohen Löwenfiguren, die in Burma Chinthe genannt werden und als Wächter der Pagode gelten. Die sich hinter den Chinthe befindlichen Bilu genannten Dämonen achten dagegen darauf, dass niemand mit Schuhen das Pagodengelände betritt (unterstützt von einigen ausgesprochen menschlichen Aufsehern).

Besucher drehen in der Regel eine Runde (im Uhrzeigersinn!) um die zentrale Stupa, die einen genaueren Blick verdient: Die untersten achteckigen Terrassen, die sich nach oben hin verjüngen, werden von einer recht glatten Fläche abgelöst, die „Glocke“ (hkaung laung) genannt wird (aber keine echte Glocke in ihrem Inneren verbirgt). Sie ist mit 16 Blütenblättern geschmückt. Darüber verjüngt sich die Stupa deutlich und ist mit symbolischen Lotusblüten und einer Bananenknospe geschmückt. Auf ihr sitzt das prachtvollste Element der Stupa, die 10 Meter hohe Hti genannte Krone (auch als Schirm bezeichnet). Die Hti alleine besteht aus 330 Kilogramm Gold und ist mit 36.000 Edelsteinen geschmückt. An ihrer Spitze steht eine Kugel mit insgesamt 4.351 Diamanten.

Um die zentrale Pagode gruppieren sich 64 kleinere Pagoden, Schreine und Tempel. Den bereits erwähnten vier Tempeln der Buddhas kommt dazu eine besondere Symbolik zu: Sie stehen für die vier wichtigsten Ereignisse im Leben des Buddhas: Seine Geburt (Osten), seine Erleuchtung (Süden), seine ersten Lehren (Westen) und seine vollständige Erlöschung (Norden). Beachtenswert sind auch die manokthiha genannten Schutzgeister, die aus zwei Löwenkörpern und einem menschlichen Kopf bestehen und die große Stupa an jeder Ecke bewachen.

Zwischen den Tempeln befinden sich unter anderem Schreine, die den Planeten des Sonnensystems gewidmet sind. Jedem Planeten werden dabei ein Wochentag und ein symbolisches Tier zugeordnet. Der Samstag gehört beispielsweise zum Saturn und wird durch die Naga-Schlange symbolisiert, während der Sonntag zur Sonne gehört und mit dem mystischen Vogel Garuda verbunden ist. Wer es knuddeliger mag: Zum Freitag gehört die Venus und als Symboltier das Meerschweinchen.

Die prächtigen Gebäude mit ihren mehrstufigen goldgeschmückten Dächern, die sich nach oben hin verjüngen, werden Tazaung (Gebetshallen) genannt. Sie wurden von verschiedenen Bevölkerungsgruppen gestiftet. Sehenswert sind sie eigentlich alle, doch besonders erwähnenswert ist beispielsweise die Daw Pwint Tazaung in der sich ein 8,5 Meter langer liegender Buddha befindet. Unter der Decke wird die Geschichte des Goldenen Felsen als Bilderbuch erzählt. Im Norden der Anlage befindet sich Tazaung, in dem ein Fußabdruck des Buddha aufbewahrt wird. Der Fußabdruck ist mit buddhistischen Symbolen geschmückt und wird von einer Naga-Schlange bewacht.

Links von der zentralen Stupa befindet sich eine Statue des mythischen Königs Okkalapa, ehe der Weg weiterführt zur berühmten Mahagandha Glocke, die im Jahr 1779 von König Singu gestiftet wurde. Dieses Ungetüm ist 2,2 Meter groß und 23 Tonnen schwer. Die Glocke wurde im Jahr 1824 von den britischen Eroberern abgeschleppt um sie nach Kalkutta zu verschiffen, doch wie schon bei der Dhammazedi-Glocke erwiesen sich auch hier die englischen Boote zu schwach und die Glocke fiel in den Yangon River. Die Briten erlaubten den Einheimischen, die Glocke wieder zur Shwedagon Pagode zurück zu bringen, wenn es ihnen gelänge, sie aus dem Fluss zu bergen. Diese Herausforderung nahmen die Burmesen gerne an: Taucher befestigten hunderte Bambusstäbe unter der Glocke im Flussbett, bis sie von selbst an die Oberfläche driftete.

Im äußersten Nordwesten der Anlage lohnt sich ein Blick auf die beiden Bodhi-Bäume, die dort wachsen: Angeblich sind es Ableger des Baumes unter dem Buddha erleuchtet wurde. Neben den Bäumen befindet sich der Schrein des „Wunder wirkenden Buddhas“, den jeden Tag zahlreiche Gläubige aufsuchen und um die Erfüllung ihrer Wünsche bitten.

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Im Nordosten steht die auffällige große Naungdawgyi Pagode, die ebenfalls von einer goldenen Stupa gekrönt ist. An dieser Stelle wurden ursprünglich die acht Haare des Buddha aufbewahrt, während die Reliquienkammer gebaut wurde. In ihrer Nähe befindet sich ein Schrein, in dem drei Sandstelen aufbewahrt werden: Dies sind die sogenannten Dhammazedi-Inschriften aus dem Jahr 1485, die ältesten Berichte über die Shwedagon Pagode.

Im weiteren Rundgang um die zentrale Pagode ist im Osten noch die 2,3 Meter hohe und 42 Tonnen schwere Maha Tissada-Glocke sehenswert, sowie der „Buddha mit den Rubinaugen“, Tawa Gu Buddha. Dieser ist jedoch nur für Männer und mit einer Sondergenehmigung zu besuchen. Schließlich endet der Rundgang wieder am Südeingang, wo zum Abschluss noch das kleine Kuriositätenmuseum besucht werden kann.

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