Musik

Durch die Abschottung des Landes konnte sich in Burma keine westliche Musikszene wie in anderen asiatischen Ländern etablieren. CDs und Kassetten waren und sind beliebte Schmuggelware, die über die thailändische Grenze ins Land gebracht werden. Einheimische Pop- und Rockmusiker wurden stark zensiert, während die Regierung vor allem auf „harmlose“ traditionelle Musik setzte.

Klassische Musik in Myanmar

Die traditionelle Musik in Myanmar entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg und hat ihre Wurzeln von den Mon-Stämmen, die von chinesischen Einwanderern beeinflusst wurde. Spätere Einflüsse kamen vom thailändischen Königshof in Ayutthaya und von klassischen indischen Epen wie der Ramayana. Die wichtigste Sammlung traditioneller burmesischer Musik ist die Mahagita, die am Königshof gespielt wurde (pat pyo), die Nats genannten Geister verehrt (nat chin) oder die alten Legenden der Mon weitergibt (talaing than). Die Militärregierung, die Myanmar über Jahrzehnte von westlichen Einflüssen abschirmte, setzte stets auf eine Förderung der burmesischen Musikklassik, die fast täglich im Staatsfernsehen zu hören ist und von vielen Musikensembles und Sängern bei offiziellen Anlässen dargeboten wird.

Zu den typischen Instrumenten der „Sidaw“ genannten Orchester gehören die gleichnamigen „sidaw“ Trommeln, eine „hnegyi“ genannte Flöte, sowie weitere Rhythmusinstrumente. In manchen Varianten kommt auch die „saung“ genannte Harfe (s.u.) und das „pattala“ Xylophon zum Einsatz. Schwer verdaulich für westliche Ohren ist die „Hsaing Waing“ genannte Volksmusik, bei der unter anderem die „hsaing wan“ Trommeln zum Einsatz kommen – ein Kreis von 21 Trommeln, die virtuos bespielt werden. Auch Gongs aus Bronze werden verwendet – die kleinere Variante nennt sich „kyi waing“, die größere Variante „maung hsaing“.

Die Saung

Sehr bekannt ist die Saung, eine gebogene Harfe, die in der traditionellen Volksmusik zum Einsatz kommt und in der Form an ein Boot erinnert. Sie gilt als „nationales Musikinstrument von Burma“ und ist zugleich die letzte klassische Harfe Asiens überhaupt. Dieses Musikinstrument wird aus Baumwurzeln geschnitzt und mit schwarzem Lack, Goldblatt, Glas oder Perlen geschmückt. Sie besitzt zwischen 13 und 16 Strängen, die traditionell aus Seide gefertigt wurden, heute aber meistens durch billigere Nylonstränge ersetzt wurden. Ursprünglich fand das Instrument seinen Weg um 500 n. Chr. von Südindien nach Burma und wurde vom Volk der Pyu genutzt. Im 19. Jahrhundert wurden klassische asiatische Werke wie die Ramayana und die höfische Musik aus Ayutthaya für die Saung umgeschrieben. Urlauber können Saung-Vorstellungen heute vor allem noch in Mandalay erleben, wo diese Tradition am stärksten gepflegt wird.

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Westliche Entwicklungen

Während der britischen Kolonialzeit fand auch westliche Klassik Eingang in Myanmar, die später um Jazz, Swing und ähnliche Musikstile ergänzt wurde. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Beginn der Militärdiktatur kamen Importe aus dem Westen und aus anderen asiatischen Ländern jedoch weitgehend zum Erliegen. Als die Welt in den 60er Jahren dem Rock’n’Roll-Fieber erlag, verbot das staatliche Radio kurzerhand das Spielen sämtlicher Popmusik. Einheimische Musiker wurden stark zensiert und viele verlegten sich auf eine heimliche Produktion ihrer Musik, die als Kassetten unter dem Ladentisch gehandelt wurden. Zu den verbotenen Themen gehörten nicht nur das Verlangen nach Demokratie und Freiheit, sondern auch Armut und der Frauenhandel (über die thailändische Grenze).

Seit den 90er Jahren verstärkte sich der Einfluss der Nachbarländer wieder und mittlerweile gibt es auch in Burma eine blühende Pop, Metal, Rap und HipHop-Szene. Viele Bands covern dabei asiatische Hits, die ins Burmesische übersetzt wurden, während andere ihre eigenen Songs schreiben. Sehenswert ist der deutsche Dokumentarfilm „Yangon Calling“ aus dem Jahr 2012 über die derzeit noch im Untergrund versteckte burmesische Punkszene.

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