Geschichte von Myanmar – Ende der Kolonialzeit bis heute

Der zweite Weltkrieg gab der birmanischen Nationalbewegung weiteren Auftrieb. Unter dem Schutz der japanischen Besatzer wurde 1942 eine erste unabhängige Regierung gegründet, zu der Ba Maw als Staatspräsident und Aung San als Kriegsminister gehörten. Doch die Japaner trieben ein doppeltes Spiel mit den Burmesen und weigerten sich, das besetzte Land in die Unabhängigkeit zu entlassen. Schließlich wandte sich die Regierung wieder an die Briten mit dem Ziel, die Japaner gemeinsam zu vertreiben. Die langjährigen negativen Erfahrungen in der Geschichte des Landes und das doppelte Spiel der Japaner machen es leichter, die spätere Abschottung von Myanmar gegenüber dem Ausland bis hin zur Paranoia besser zu verstehen.

Nach Kriegsende kam es 1947 zum Aung San-Attlee-Agreement, das die formelle Unabhängigkeit einer „Union of Burma“ von Großbritannien anerkannte. General Aung San konnte die Früchte seiner Arbeit jedoch nicht lang genießen, denn er und ein Großteil seines Kabinetts wurden bereits im Juli des gleichen Jahres von politischen Rivalen ermordet.

Eine Zeit der politischen Instabilität folgte, die 1962 durch die Machtergreifung des Militärs unter General Ne Win beendet wurde. Studentenproteste wurden blutig niedergeschlagen und 1964 wurden sämtliche Oppositionsparteien verboten. Burma wurde zu einer abgeschotteten sozialistischen Militärdiktatur, in der Proteste regelmäßig niedergeschlagen wurden. Durch die Misswirtschaft des Militärs wurde das einst reichste Land von Südostasien zum Armenhaus der Region.

Tauwetter in Burma

General Ne Win regierte Burma noch bis 1988 und machte immer wieder durch skurrile Entscheidungen von sich reden. So erklärte er 1987 plötzlich sämtliche Banknoten der Landeswährung Kyat für ungültig und ließ nur noch Geldscheine im Wert von 45 und 90 Kyat zu – weil neun seine Glückszahl war. Im Frühling 1988 kam es wieder einmal zu heftigen Studentenprotesten, die blutig niedergeschlagen wurden. Zu diesem Zeitpunkt befand sich zufällig Aung San Suu Kyi im Land, die Tochter des ermordeten Volkshelden Aung San, die in London lebte und nach Rangoon gekommen war um ihre erkrankte Mutter zu besuchen.

Entsetzt über die Zustände im Land, ließ sie sich überreden, die noch junge Demokratiebewegung des Landes zu unterstützen und wurde bald zur Ikone der neugegründeten National League for Democracy und wichtigsten Person in der jüngeren Geschichte des Landes. Diese gewann 1990 die ersten Wahlen in Burma, die von der Militärregierung prompt für ungültig erklärt wurden. Aung San Suu Kyi stand in den folgenden Jahren immer wieder unter Hausarrest und wurde 1991 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, der das Augenmerk der Welt auf Myanmar richtete.

Nach über 15 Jahren wurde sie im November 2010 endlich freigelassen und spielt seitdem eine aktive Rolle in der Politik von Myanmar. Doch auch wenn ihre Freilassung weltweit gefeiert wurde und das Militärregime des Landes auch allgemein eine größere Öffnung des Landes zulässt, darf nicht vergessen werden, dass noch immer viele politische Gefangene in den Gefängnissen des Landes sitzen und Myanmar von einer echten funktionierenden Demokratie noch weit entfernt ist.

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Weitere Informationen zur Geschichte

Über Burma/Myanmar ist sehr viel geschrieben worden. Eines der besten Bücher über das 20. Jahrhundert in Burma und die Geschichte und Entwicklung der Militärdiktatur ist „The River of Lost Footsteps“ von Thant Myint-U (deutsche Ausgabe „Der Fluss der verlorenen Fußspuren“). Amitav Ghosh schildert in „Der Glaspalast“ sehr anschaulich das Leben und die Geschichte einer birmanischen Familie über mehrere Generationen. Wer lieber Filme schaut, sollte „Rangoon – Im Herzen des Sturms“ von John Boorman aus dem Jahr 1996 auftreiben, der den Aufstand von 1988 aus Sicht einer amerikanischen Touristin schildert oder Luc Bessons Biopic „The Lady“ über Aung San Suu Kyi und die Opfer, die sie für ihr Land auf sich nahm.

Für weitere Informationen zur Frühzeit und den ersten Schritten von Myanmar während der Kolonialzeit lesen Sie hier.

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