Die Politik von Myanmar

Das Militärregime von Myanmar steht seit vielen Jahren aufgrund der vielfachen Verletzung der Menschenrechte am Pranger. Zwar zeichnet sich in den letzten Jahren eine Entspannung der Situation ab, doch Reisende sollten nicht vergessen, dass sich das Land noch immer im Würgegriff der Militärs befindet und selbstverständlich erscheinende Dinge wie Meinungsfreiheit in Burma ein ungekannter Luxus sind.

Die politische Entwicklung in Burma

Nachdem Burma ab 1885 zum riesigen britischen Empire gehörte, erklärte sich das Land 1946 nach langen Kämpfen für unabhängig. General Aung San, Führer der ersten burmesischen Armee und Mitbegründer der modernen „Union of Burma“ (zu der neben den Bamar auch viele andere Bevölkerungsgruppen gehörten), wurde im September 1946 zum ersten Premierminister des Landes bestimmt und kein Jahr später – am 19. Juli 1947 – bei einem Attentat zusammen mit sechs seiner Minister ermordet. Zu diesem Zeitpunkt war seine Tochter Aung San Suu Kyi gerade zwei Jahre alt – sie würde später zur großen Hoffnung der burmesischen Demokratie heranwachsen.

Nach dem Attentat 1947 und der offiziellen Anerkennung der burmesischen Unabhängigkeit von Großbritannien am 4. Januar 1948 entwickelte sich das Land zunächst als demokratische Republik und stellte mit U Thant sogar den ersten nicht westlichen Generalsekretär der Vereinten Nationen. Doch 1962 kam es unter General Ne Win zu einem Putsch und der Machtergreifung durch die Militärs, die Myanmar anschließend 40 Jahre lang unter ihrer Knute hielten und zum Armenhaus Asiens herab wirtschafteten. Zart aufblühende Proteste wurden regelmäßig niedergeschlagen, darunter 1988, als Aung San Suu Kyi zum ersten Mal die politische Bühne ihres Heimatlandes betrat. Ihre Partei, die National League for Democracy (NLD) erhielt bei den Wahlen im Jahr 1990 zwar die meisten Stimmen und 80% der Sitze, doch die Militärs erklärten die Wahlen für ungültig und stellten Aung San Suu Kyi unter Hausarrest. 1991 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Tauwetter in Myanmar

Dass sich die Militärregierung in Burma so lange halten konnte, lag auch an der Unterstützung des Regimes durch China und Russland. Doch mit dem Tauwetter, das in den 90er Jahren dort einsetzte, wurde auch Burma allmählich zu Veränderungen gezwungen. 2010 wurde Aung San Suu Kyi schließlich freigelassen und wirtschaftliche Reformen eingeleitet. 2012 fanden wieder einmal Wahlen statt, doch die oppositionelle NLD beklagte noch immer starke Behinderungen und manipulierte Stimmauszählungen. Unter dem amtierenden Präsidenten Thein Sein werden allmählich weitere Reformen durchgeführt und immer mehr ausländische Regierungschefs reisen nach Myanmar um die Chance zu wirtschaftlichen Investitionen zu nutzen. Dennoch sitzen noch immer viele politische Gefangene in den burmesischen Gefängnissen ein und die Situation der ethnischen Minderheiten gleicht einem Pulverfass. Die Politik innerhalb des Landes ist weiterhin ein sehr schwieriges Thema.

Politik im Vielvölkerstaat

Am stärksten sind die muslimischen Rohingya im Bundesstaat Rakhine von Verfolgungen betroffen. 2010 kam es zu Ausschreitungen, bei denen 57 Muslime und 31 Buddhisten getötet und etwa 90.000 Menschen vertrieben wurden. Präsident Thein Sein glänzte mit dem Vorschlag, die Rohingya doch einfach ins Ausland umzusiedeln und zog sich damit den Zorn der UNO zu. 2013 kam es zu erneuten Ausschreitungen gegen Muslime, angeführt von U Wirathu, einem nationalistisch gesinnten buddhistischen Mönch, und seinem „969 Movement“ (das von der Regierung zumindest stillschweigend geduldet, wenn nicht sogar gefördert wird).

Auch andere ethnische Minderheiten wie die Karen, die Shan und die Kachin führen seit Jahrzehnten Kämpfe gegen die Regierung um sich gegen eine „Burmesierung“ zu wehren. Erst 2006 kam es zu einer großen Offensive der burmesischen Armee gegen die KNU (Karen National Union), die zahllose Karen zur Flucht über die Grenze nach Thailand zwang. Im Oktober 2013 kam es landesweit zu mehreren Bombenanschlägen, bei denen insgesamt 3 Menschen getötet und 10 weitere verletzt wurden. Eine Bombe explodierte im 9. Stock des auch bei Touristen beliebten Traders Hotel in Yangon. Die nationale Politik machte die KNU für die Anschläge verantwortlich, doch diese wies die Anschuldigungen zurück.

Die Zukunft und somit auch die Politik bleibt unberechenbar in Myanmar: Die wirtschaftlichen Reformen sind nicht aufzuhalten und werden dem bitterarmen Land zumindest einen kleinen Aufschwung geben können, doch von einer echten Demokratie ist in der Politik von Burma nach wie vor meilenweit entfernt. Die Situation der ethnischen Minderheiten bleibt ebenfalls ungeklärt und könnte zu weiteren Anschlägen, Bürgerkriegen oder gar einem Auseinanderbrechen der Union of Myanmar führen. Dies sollten auch Touristen bedenken, die in die abgelegenen Regionen der Shan, Karen oder Kachin reisen wollen.

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